Archiv der Kategorie: Geschichte

Negativsteuer: auch die neoliberale Ikone Friedman findet sie OK #Familienbonus

Zuletzt im Zuge der Einführung des sog „Familienbonus“ gab es wieder eine Diskussion, ob eine „Negativsteuer“ „erlaubt“ sei oder nicht. Genau dieselbe Diskussion fand schon anlässlich der Steuerreform 2016 statt.

Eine Förderung über Steuerersparnisse zu konstruieren hat nämlich den Schönheitsfehler, dass Personen mit einem geringen Einkommen, die in Österreich keine Einkommenssteuern zahlen, auch nicht in den Genuss solcher Förderungen kommen. Jo eh, wie der Bundeskanzler bemerken musste. Ist halt so. Und der Finanzminister sekundierte brav.

Wer die Negativsteuer für geeignetes Instrument sah, die Ungerechtigkeit auszugleichen, bekam süffisante Arroganz zu spüren. Wie kann man denn so dumm sein, so etwas zu verlangen. Steuerermäßigung kassieren, ohne Steuern zu bezahlen. Ts, Ts. Aus steuerästhetischen, aus „systematischen“ Gründen, wie der Herr Finanzminister sagt,  geht das gar nicht.

Für  für diese Arroganz gibt es aber keinen Grund.

Auch die Ikone des Neoliberalismus, Milton Friedman, hat eine Negativsteuer vorgeschlagen (als Grundeinkommen!)

„Wenn das Ziel der Abbau der Armut ist, benötigen wir ein Programm mit dem Zweck, die Armen zu unterstützen… Das Programm sollte dazu eingerichtet sein, Menschen als Menschen zu helfen, und nicht als Mitglieder bestimmter Berufsgruppen oder Altersgruppen oder Einkommensgruppen oder Gewerkschaften oder Industriezweige… Zweitens sollte das Programm zwar auf dem Markte funktionieren, dabei jedoch so weit wie möglich den Markt nicht stören und seine Funktionsweise nicht beeinträchtigen… Die Maßnahme, die sich aus rein technischen Gründen anbietet, ist eine negative Einkommensteuer…Auf diese Weise könnte eine Grundlage geschaffen werden, die im Einkommen des einzelnen niemals unterschritten werden könnte“

In „Kapitalismus und Freiheit“, Original 1962.

Allerdings dürfte sie die Bundesregierung jetzt doch vom Weg der reinen Lehre abgekommen sein und auch für die geringeren Einkommen was vorsehen. Mal sehen.

Weiteres zu den nicht immer orthodoxen Ansichten von Friedman in: http://blogs.faz.net/fazit/2016/05/02/milton-friedmans-verstoerte-kinder-7593/

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Friday Music: Johnny Cash at Folsom Prison, vor fünfzig Jahren

 

Vor fünfzig Jahren, am 13. Jänner 1958, trat Johnny Cash im Folsom Prison auf.

Hier eine Version des Folsom Prison Blues aus dem Jahr  1959

 

Eine kurze Dokumentation über das Konzert aus dem Jahr 1958

 

Eine Version des Folsom Prison Blues aus 1968

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Das Marx-Jahr beginnt

Karl Marx in Trier

Photo: Harald Glatz

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Alle Geheimdienste in der Hand der FPÖ

 

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Jahresrückblick 2017: Bestes Zitat

Quelle: Wiener Zeitung

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5. Januar 2018 · 4:50 pm

Bitcoin und Anarchokapitalismus

Bitcoin und Ökonomie

 

Über die Eigenschaft von Bitcoin als Spekulationsobjekt ist schon viel gesagt worden. Hinter den Bitcoins steckt kein realer Wert, ähnlich wie hinter den Tulpenzwiebeln, die 1637 zu einer Spekulationsblase plus das Platzen derselben geführt hat. Bei einer solche Spekulationsblase trifft es halt dann die Letzten, die zu spät verkauft haben („Greater Fool Theorie“).

Aus diesem Grund ist Bitcoin auch nicht als Währung zu bezeichnen. Erstens ist es als Tauschmittel ungeeignet, angesichts der Schwankungen ist unzuverlässig (allenfalls in begrenzten Märkten, insbesondere Drogen- und Waffenhandel und Terrorismus). Darüberhinaus sind die Transaktionskosten erheblich, keineswegs billiger als im normalen (elektronischen)Bankensystem.

Bitcoin sind auch auch schwerlich als Wertaufbewahrungsmittel zu sehen, zu volatil ist diese „Währung“.

Drittens sind Bitcoin als Währung mit dem gleichen Mangel behafte wie Gold. Sie sind begrenzt und damit ungeeignet eine wachsende Wirtschaftet zu finanzieren. Nicht umsonst ist man nach und nach von der Goldbindung von Währungen abgekommen, spätestens seit Bretton Woods. Eine begrenze Geldmenge würde zu einer permanenten Deflation führen.

„Tatsächlich ist Bitcoin eine archaische Währung wie es auch Gold einst war. (…) John Maynard Keynes nannte den Goldstandard ein ‚barbarisches Relikt’“ (de Grauwe)

Auf die möglichen Unsicherheiten von IT-basierten Technologien (Programmierfehler, Hacking) soll nur am Rande hingewiesen werden. Einige Hackings hat es schon gegeben.

Noch wenig untersucht sind die ökonomischen Machtverhältnisse, die sich hinter Bitcoin und anderen Kryptowährungen verstecken. Wenige Unternehmen stehen hinter Bitcoin.

 

Die ideologischen Hintergründe: Feindbild Staat

 

Viel interessanter als diese ökonomischen Aspekte sind die polit-ökonomischen Hintergründe.

Bitcoin (oder Kryptowährungen generell) werden als einer der Wege gesehen vom Staat unabhängig zu werden. Der Staat, die Regierungen, die in die Freiheit der Individuen eingreifen, sind unerwünscht, ja verhasst. Dieses Gedankengut, das im Staat das Böse sieht, ist eine der Triebkräfte von Kryptowährungen.

Die Staatsfeindlichkeit findet in der kalifornischen Silicon-Valley-Ideologie und im libertären Bereich fröhliche Urstände: man braucht keine Regierung mehr, keinen Staat. Die Unternehmen werden die Probleme der Zukunft lösen. Sie brauchen dafür aber viel, viel mehr Freiheit. Einiges nachzulesen im Manifest „Dark Enlightement“ von Nick Land.

„In his final treatise on economics, titled „The Denationalisation of Money“ Fredrick Von Hayek wrote about his idea of what a world with ‘Free Money’ would look like. He believe that money that if money was independent of nation-states (like BTC) that it could fundamentally change the world for the better, and liberate people from the oppression and tyranny of the monopoly on money.“ (Quelle: hier)

Einiges zum Thema Anarchokapitalismus, Libertaries, Libertarismus, aber auch altright etc hier, hier ,und hier .

 

Wettbewerb der Währungen: gegen den Staat

Hayek wie immer dabei 

Sie knüpfen damit an eine Tradition von liberalen, heute würde man sagen neoliberalen Ökonomen an, die einen Wettbewerb der Währungen propagieren. Die beste Währung möge sich durchsetzen.

Naturgemäß finden wir auch hier wieder Friedrich August von Hayek in vorderster Reihe. Das staatliche Geldmonopol ist unerwünscht. („Denationalisation of Money“, 1976)

Ziel ist die gänzliche Abschaffung des staatlichen Währungsmonopols und die Geldschaffung durch Private (Banken oder Dritte), die im Wettbewerb miteinander stehen.

Ob das, außer in Nischen, funktionieren kann ist mehr als bestritten.

Vor den Zeiten der Zentralbanksystems, haben die Geschäftsbanken eigene Banknoten ausgaben (Free Banking im 19. Jahrhundert). Wegen zu hoher Kosten wurde das System ad acta gelegt.

Ob Kryptowährungen eine sinnvolle Alternative zum Zentralbanksystem zu sehen sind ,darüber sind sich die Ökonomen einig. Nämlich Nein.

Immerhin wittern die Hayekiander Morgenluft und haben sich jüngst in einer Veranstaltung mit Kryptogeld auseinandergesetzt.

(„Parallelwährungen als Alternative zum staatlichen Währungsmonopol“)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der furchtbare Preis der Austerität. Wie die Nazis an die Macht kamen

Frances Coppola hat sich in einem aktuellen Beitrag über den möglichen Zusammenhag von Austeritätspolitik  und dem Erstarken des Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

“ In Deutschland wird nicht die Austerität der Jahre 1930 bis 1932 verantwortlich gemacht, sondern die schuldengetriebene Hyperinflation des vorangegangenen Jahrzehnts. Bis zum heutigen Tag graut es den Deutschen sowohl vor Inflation als auch vor Schulden.“

Aber:

„Eine kürzlich erschienene Studie zeigt, dass weniger die Hyperinflation der 20er Jahre, sondern vielmehr die Austeritätspolitik der frühen 30er Jahre die Nazis an die Macht gebracht hat. Wenn die Europäer eine schwere politische Krise verhindern wollen, sollten sie aus ihrer Geschichte lernen.“

„Die Nazis waren eine Partei der Mittel- und Oberschicht.“

„In fact, much of the growth in support for the Nazi party came from the middle classes, who were fearful of the Communists. The Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) had achieved 16.9% of the vote by November 1932 (about 100 seats out of 584 in the Reichstag). The Nazis also received support from elites. During the 1920s, those with the highest incomes lost income more quickly than those at the bottom (Adena et al. 2015; Piketty 2014; Satyanath et al. 2017; Schreiner 1932). It was not that Hitler did not try to appeal to the unemployed masses, but rather that the Communist Party was perceived as the party that traditionally represented workers’ interests. Ultimately, Hitler’s attempts to attract the unemployed were ineffective (King et al. 2008; Petzina 1977).'“

„Aber wir wissen, dass eine Haushaltskonsolidierung tendenziell die Armen am stärksten trifft. Warum also hat sie bessergestellte Deutsche dazu veranlasst, für Extremisten zu stimmen?

Bessergestellt mögen sie im Vergleich zu den Armen und Arbeitslosen gewesen sein, aber sie haben das nicht so empfunden. Sie nahmen der Regierung eine Politik übel, die ihre Steuern erhöhte und ihre Pensionen und Leistungen reduzierte, als sie ohnehin schon unter einer ökonomischen Depression litten. Und sie waren auf jene wütend, die ärmer waren als sie, weil die wirklich Armen zumindest ein wenig Unterstützung durch die Regierung bekamen, während sie selbst leer ausgingen“

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