Lohnerosion gefährdet Sozialsystem. Ach der Herr Urschitz, der hat ja so recht

Der Herr Urschitz von der Presse hat  vor einiger Zeit in einem Kommentar vom 5.3.2019 in einem Nebensatz auf das Dilemma der derzeitigen Pensionsdiskussion hingewiesen: die gängige Fehlmeinung lautet dass die Jungen den Alten die Pension zahlen. In Wirklichkeit zahlen diejenigen, die Arbeit haben die Pensionen, wie Prof Gunther Tichy schon vor Jahren festgestellt hat.

https://sciencev1.orf.at/news/150242.html

Urschitz:

„Während viel über Demografie diskutiert wird, fällt die Lohnerosion voll unter den Tisch. Das ist fatal, denn die Finanzierung des gesamten Sozialsystems hängt nun einmal an Arbeitseinkommen. Wenn die Wegbröseln, wird man sich andere Wege überlegen müssen. Und zwar bald.“

Durch die Digitalisierung werden sich die Arbeitsmärkte ändern, vielleicht in der Summe nicht so dramatisch wie von einigen Professoren prognostiziert.  Die Verteilungswirkungen der Digitalisierung werden aber letztlich das System erodieren. Dies macht es  notwendig, sich über die Finanzierung des Sozialsystems Gedanken zu machen. Vorschläge dazu gibt es Sonderzahl. Wenn man sich allerdings das Niveau der Debatte um solche Vorschläge, etwa die „Maschinensteuer “ oder die Wertschopfungsabgabe ansieht darf man getrost pessimistisch sein. Hier hat wohl keiner der Kritiker kapiert, dass es um die Zukunft des Sozialstaates geht.

Letztlich muss das die Finanzierung von den bisher dominierenden Anknüpfung an Arbeit umgesetzt werden und das Kapital ( die Gewinne) stärker herangezogen werden.

 

Danke, dass uns Herr Urschitz auf diese Problematik aufmerksam gemacht hat.

 

 

Ein Kommentar

  1. Es mag ja sinnvoll sein, über alternative oder ergänzende Finanzierungsmethoden des Sozialstaates nachzudenken. Ich habe meinen ersten Artikel zu diesem Thema vor etwa 30 Jahren in „Wirtschaft und Gesellschaft“ geschrieben.
    Wenn allerdings von „Erosion der Arbeitnehmereinkommen“ und von „bröckelnden Arbeitsverhältnissen“ die Rede ist, sollte man folgende Fakten berücksichtigen:
    1. Die Beiträge für Versicherte auf Basis der Arbeitnehmereinkommen sind in der gesetzlichen Sozialversicherung zwischen 2005 und 2016 von etwa 32 Mrd € jährlich auf fast 52 Mrd € gestiegen. Das ist eine Steigerung um 62 Prozent. Die Verbraucherpreise sind im gleichen Zeitraum um etwa 22,5% gestiegen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass es im genannten Zeitraum zwar keine Beitragserhöhung (sogar eine leichte Senkung des Beitragssatzes in der Unfallversicherung), aber eine stärkere Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage gegeben hat, als sie durch die Inflation geboten wäre (was zu einer stärkeren Beitragsbelastung des Besserverdiener geführt hat), muss man wohl sagen, dass von einer Erosion der Erwerbseinkommen, die Basis der Beitragseinnahmen sind, nicht die Rede sein kann.
    2. Die Erwerbsquote in Österreich ist in den letzten 30 Jahren von 67% der Bevölkerung zwischen 19 und 64 auf über 75% gestiegen. Da die neu hinzugekommenen Gruppen früher gar nichts verdient haben, waren sie auch bei der Einkommensverteilung nicht erfasst. Wenn sie jetzt weniger verdienen als der Durchschnitt, bewirkt ihre Berücksichtigung rein statistisch eine Vergrößerung der Einkommensschere.
    3. Die Zahl der unselbständig Beschäftigten ist in Österreich von etwa 2,4 Millionen im Jahr 1970 auf etwa 3,7 Millionen im Jahr 2017 gestiegen. Das ist eine Zuname von 54%. Die Gesamtzahl der Berufstätigen ist von etwa 3,2 Mio (1956) auf etwa 4,4 Mio (2016) angestiegen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass ein Teil der Zunahme auf Teilzeitbeschäftigte entfällt, ist die Gesamtkapazität bezahlter Arbeit doch erheblich gestiegen.
    Natürlich weiß niemand, wie sich diese nachgefragten und angebotenen Kapazitäten in Zukunft entwickeln werden. Prognosen aus der Vergangenheit sind allerdings seit Beginn der Industrialisierung bisher stets falsch gewesen, weil sie statische Annahmen treffen, die mit faktischen Entwicklungen fast nie übereinstimmen.
    Die besten Chancen auf künftige Erosionen und Abbröckelungen bestehen zweifellos dann, wenn die Aversion gegenüber Neuerungen und Veränderungen größere Bevölkerungsteile erfasst.
    Im Übrigen hat die Tatsache, dass Arbeitnehmereinkommen mit Abstand die mittelfristig sicherste und stabilste Abgabenquelle sind, auch dazu geführt, dass die Umbasierung auf andere Größen (zB auf die Investitionen, auf den Energieverbrauch oder den Wert von Betriebsmitteln) nur mit großer Vorsicht in die Praxis umgesetzt wird, auch wenn diesen Abgabenquellen aus politischen Gründen präferiert werden.
    Anm: Die Zahlen in diesem Kommentar stammen aus der Broschüre „Wirtschaft im Überblick 2017/2018“, herausgegeben von der Bundesarbeitskammer und dem Wirtschaftsmuseum.

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