Monatsarchiv: November 2017

Politischer Journalismus und Balkon-Muppets

Die teilweise höchst problematische Rolle der Medien anlässlich der letzten Nationalratswahlen legt eine Diskussion über die Aufgabe des Journalismus nahe. Bisher hört man allerdings wenig davon.

Für Deutschland hat Wolfgang Michael einen guten Anstoß geliefert. Das meiste davon ist auf Österreich übertragbar.

Er meint:

„Ist es die Aufgabe politischer Journalisten, ständig zu erklären, was jetzt zu tun ist? Müssen sie täglich hinausposaunen, was „wir“ jetzt am dringendsten brauchen? Wie Merkel die Krise noch meistern kann? Wie Jamaika zum Erfolg wird? Der politische Journalismus bietet heute ein solches Übermaß an Politikberatung, dass man bisweilen den Eindruck hat, die Redaktionen fungierten als Planungs- und Krisenstäbe des Kanzleramts und der Parteien.“

„Politik und Medien sind heute aber derart ineinander verwoben, dass sie fast schon eine gemeinsame (und gemeinsam verhasste!) politisch-mediale Klasse bilden, mit ähnlichen Interessen, ähnlichen Lebensstilen, ähnlichen Einkommensverhältnissen. Es fehlt den politischen Journalisten der Abstand zur anderen Seite. Das führt bedauerlicherweise dazu, dass die politische Analyse verflacht, die kritische Politikbeobachtung durch affirmatives Mitläufertum ersetzt wird und die Politikberichterstattung zum bloßen Werbemittel verkommt – wie die Homestory, das Politikerporträt und das autorisierte Interview.“

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Eingeordnet unter Gesellschaft, Medien, Politik