Pensionsdebatte: Von den Managerpensionen redet man nicht

Anmerkungen zur Pensionsdebatte (4)

Von den Managerpensionen redet die Industrie nicht

 

Der Präsident der Industriellenvereinigung hat in jüngster Zeit wiederum bei den Pensionen Panik gemacht. „Unser System stirbt“, sagt er. Einschneidende Massnahmen seien daher notwendig. Wenig hört man jedoch von den einschneidenden Massnahmen bei den Managerpensionen. Sie fliessen weiter üppig. Vier von fünf der börsennotierten österreichischen Unternehmen zahlen ihren Managern Zusatzpensionen, und nicht gerade wenig. So betragen die Pensionsaufwendungen in einzelnen Unternehmen über eine Million Euro im Jahr, die Rückstellungen über fünf Millionen Euro. Wer da bei den kleinen Pensionisten Einsparungen verlang, hat jede Glaubwürdigkeit verspielt.

 

Nicht zuletzt Vertreter der Industriellenvereinigung   überschlagen sich in jüngster Zeit mit Vorschlägen, was im Pensionssystem alles eingespart werden könnte. Grund genug einmal zu schauen, wie es bei den Industriemanagern aussieht. Sie alle haben, wie sich zeigt und wie zu vermuten ist, Pensionszusagen, die das Vorstellungsvermögen von ASVG-Pensionisten ziemlich überfordern dürften.

 

Beginne wir einmal mit Deutschland.

Eine Studie der Hans-Böcklerstiftung kommt zum Ergebnis, dass ein DAX 30-Unternehmen im Durchschnittlich 7,4 Millionen Euro  2012  an die früheren Mitglieder seines Vorstandes als Altersversorgung gezahlt.

Damit gaben die Konzerne für die Altersversorgung ihrer Ex-Vorstände im Schnitt noch einmal mehr als ein Drittel der Summe aus, die sie den aktiven Vorstandsmitgliedern an Vergütung zahlten. Zusätzlich flossen je Unternehmen durchschnittlich 2,9 Millionen Euro in die Rückstellungen für das künftige Ruhegeld der heute aktiven Spitzenmanager. Pro Person entspricht dies um die 450.000 Euro und damit etwa 54 Prozent ihrer aktuellen Festbezüge. Die Pensionsrückstellungen allein für die früheren Vorstände summierten sich in den 30 DAX-Konzernen auf 2,8 Milliarden Euro.”

 

Österreich:

Die Arbeiterkammer hat die Vorstandsbezüge von ATX Unternehmen für 2010-2012 und 2013/14 analysiert. Allerdings sind Pensions- und Abfertigungszahlungen von einer individuellen Offenlegung in Österreich ausgenommen. Es fehlt an Transparenz.

 

Geschäftsberichte 2010/2012:

 “Insbesondere Pensionsverpflichtungen haben im vergangenen Jahrzehnt mehr an Gewicht gewonnen und können inzwischen hohe Bestandteile der Vergütung ausmachen, wie zwei Beispiele aus aktuellen Geschäftsberichten zeigen:

Die Bezüge der aktiven Vorstandsmitglieder der EVN betrugen im Geschäftsjahr 2011/12 insgesamt 1.431,4 Tsd. Euro. Darüber hinaus bestehen für die derzeitigen Vorstandsmitglieder Pensionsverpflichtungen in Höhe von 11.106,1 Tsd. Euro.

Bei Andritz wurde im Jahr 2012 eine Pensionsrückstellung von 5.261 Tsd. Euro für frühere Vorstandsmitglieder und deren Angehörige ausgewiesen. Die laufenden Aufwendungen betrugen im Jahr 2012 1.201 Tsd. Euro.

 

Geschäftsberichte 2013/14:

2013/14 verfügen 85% der 20 untersuchten ATX-Unternehmen über eine Pensionsregelung. Dazu zählen: Andritz, CA Immo, Erste Bank, Flughafen Wien, Immofinanz, Lenzing, Mayr-Melnhof,OMV, Österreichische Post, RBI, RHI, Telekom Austria, Uniqa, Verbund, Vienna Insurance Group, Voestalpine und Wienerberger.

 

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Eingeordnet unter Ökonomie, Demographie, Gerechtigkeit, Pensionen

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