Bargeld muss bleiben

Wird das Bargeld abgeschafft?

Seit einiger Zeit gibt es von prominenten Ökonomen den Vorschlag, die Länder mögen auf Bargeld verzichten und nur mehr bargeldlos zahlen. Zu den Befürwortern zählen der US-Ökonom und ehemaliger Chefökonom des internationalen Währungsfonds (IWF) Kenneth Rogoff.

Auch Larry Summers, früherer Chefökonom der Weltbank und unter Präsident Clinton Finanzminister, und der deutsch Ökonomieprofessor Peter Bofinger sprachen sich für die Abschaffung von Bargeld aus.

Erfreulicherweise hat sich inzwischen in Österreich der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny („Ich teile diese Fantasien nicht“) gegen die Abschaffung des Bargeldes ausgesprochen. Auch das Vorstandsmitglied der deutschen Bundesbank Thile, führt Argumente gegen die Abschaffung des Bargeldes ins treffen. Und der deutsche Finanzminister Schäuble hat sich gleichfalls gegen die Abschaffung ausgesprochen:

„Ich finde, diese Entscheidung sollte jeder Bürger selbst treffen. Ich kenne die Argumente, aber es gibt eben auch eine Reihe von Argumenten, die für die Beibehaltung des Bargelds sprechen.“ 

Nichtsdestoweniger hält die Debatte an.

Die volkswirtschaftlichen Kosten

Als Vorteile von bargeldlosen Zahlungssystemen wird häufig genannt, sie seien kostengünstiger als Bargeld.

Eine Studie *) für Österreich versucht die volkswirtschaftlichen Kosten des Bargeldes und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu beziffern. Das Bargeld kosten 1,166

Mrd. Euro pro Jahr, die Kosten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ( Maestro Karte) werden mit 148 Mio. Euro beziffert.

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Die Kosten für das Bargeld sind deshalb so hoch, weil auch die Verwendung sehr hoch ist: 2,9 Mrd. Transaktionen gibt es mit Bargeld, bargeldlos lediglich 378 Mio.

Pro Transaktion sind aber die Kosten gleich, nämlich ca. 0,4 Euro.

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Bei Transaktionen unter 10 Euro ist Bargeld günstiger, über 10 Euro sind bargeldlose Zahlungen günstiger.

Ob diese Situation auch in Zukunft so bleiben wird ist schwer zu sagen. Denkbar ist eine Zunahme der Kosten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs für Datensicherheit. Bei einer gänzlichen Abschaffung des Bargeldes wäre denkbar, daß angesichts des dann herrschenden Monopols von bargeldlosen Systemen die Kosten noch steigen werden (Gebühren für Zahlungen und technische Ausrüstungen).

Aus Konsumentensicht

Neben den volkswirtschaftlichen Kosten sind natürlich die Auswirkungen auf die Konsumenten und Konsumentinnen von Bedeutung. Von einer Senkung der volkswirtschaftlichen Kosten haben die Konsumenten wenig, wenn diese Kostensenkung nicht an sie weitergegeben werden, wie dies beispielsweise bei den Überziehungszinsen de Fall ist.

Zur Zeit stellt sich die Situation so dar:

  • Für das Bargeld spricht die Zeitersparnis an der Kassa ( Point of Sale POS). Ein Bezahlvorgang an der Kassa mit Bargeld dauert im Durchschnitte 25,75 Sekundgen, bargeldlos dauert er länger, nämlich 32,7 Sekunden.
  • Anderseits braucht die Abhebung des Bargeldes bei der Bank oder beim Bankomaten Zeit (Geschätzte 10 Minuten für Zusatzwege und Abhebungsvorgang). Allerdings haben die Banken durch Filialschließungen und Ausdünnung der Bankomatdichte das ihre dazu beigetragen um die zeitliche Belastung der Konsumenten und Konsumentinnen zu erhöhen.
  • Darüberhinaus ist Bargeld nicht nur ein Zahlungsmittel, es ist auch ein Wertaufbewahrungsmittel das möglicherweise in Zeiten von Nullzinsen wieder Bedeutung erlangt, zumindest bei niedrigeren Beträgen.
  • Insgesamt haben gut die Hälfte der Erwachsenen eine ausgeprägte Bargeldpräferenz.

Ältere und Personen mit geringem Einkommen nutzen Bargeld am meisten

Präferenzen für die Bezahlung mit Bargeld nach Altersgruppe. Anteil jener, die immer oder am liebsten mit Bargeld bezahlen (in Prozenten)
15 bis 29 Jahre 66
30 bis 39 37
40 bis 49 40
50 bis 59 52
Über 60 61

 

 

 

Präferenzen für die Bezahlung mit Bargeld nach Einkommen. Anteil jener, die immer oder am liebsten mit Bargeld bezahlen (in Prozenten)
Bis 1800 Euro 67
1800 bis 2250 73
2250 bis 3000 39
Über 3000 40

 

 

Das Argument Steuerflucht, Drogenkriminalität, Terrorismusbekämpfung 

Als Argument für die Einführung von bargeldlosen Systemen wird auch die Betrugs- und Terrorismusbekämpfung genannt.

Es ist allerdings fraglich, ob sich Kriminalität durch ein Bargeldverbot bekämpfen und verhindern lässt. Die Terroristen von 9/11 haben Kreditkarten verwendet. Kriminelle Elemente werden relativ schnell alternative Möglichkeiten finden und auf andere Zahlungsmittel ausweiche etwa auf Dollar, Edelmetalle (Gold) oder ähnliches.

Beschränkungen der Verwendung des Bargeldes gibt’s bereits in einigen Ländern

Dänemark

Dänemark plant einen Gesetzesentwurf nach dem kleinere Geschäfte nicht mehr verpflichtet sind, Bargeld anzunehmen

Griechenland

In Griechenland ist es seit 2013 gesetzlich verboten Transaktionen über mehr als 500 Euro bar abzuwickeln. Überlegungen diese Grenze zu senken gibt es bereits.

Italien

Seit 2012 ist es verboten Beträge über 1000 Euro in Bargeld zu begleichen

Frankreich

Bisher ein Grenze von 3000 Euro, in Zukunft ( September 2015) 1000 Euro

 

Datenschutz und Freiheit

Aufgrund des verstärkten Internethandels und aufgrund der immer häufiger verwendeten bargeldlosen Zahlungsmittel legt heute schon jeder Konsument, jede Konsumentin eine Datenspur. Nicht alle sind damit einverstanden. Zur Zeit kann man sich der Schnüffelei entziehen, wenn man bar zahlt. In Zukunft wird das dann nicht mehr möglich sein. Es gibt dann keinen Ausweg mehr. Jede Transaktion ist dokumentiert.

 

Technische Pannen

Klar müsste auch sein, dass jedes, zumal elektronische, technische System fehlergeneigt ist. Der Ausfall von elektronischen Zahlungssystemen kann dann für die Kunden sehr unangenehm sein. Ein Zahlungssystem, das auf zwei Beinen steht ist da viel sicherer und fehlertoleranter.

Die Möglichkeit der Sperrung von Zahlfunktionen kommt noch dazu (beispielsweise die Einstellung von Überweisungen an Wikileaks durch zwei große Kartengesellschaften).

 

Die wirtschaftlichen Argumente

Negativzinsen

Für die Finanzwirtschaft wäre es natürlich eine herrliche Möglichkeit Negativzinsen wirksam durchzusetzten. Heute zahlen die Banken bei der EZB teilweise Negativzinsen. Dies auf die Kunden zu überwälzen, wäre der Wunsch der Banken. In einer bargeldlosen Welt hätten die Konsumenten und Konsumentinnen keine Chance sich solchen Überlegungen zu entziehen. Sie könnten das Geld dann nicht vom Konto abziehen und das Bargeld als solchen verwahren. „Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leicht er Negativzinsen durchsetzen“ sagt Rogoff.

Bank Run

Besonders in Krisenzeiten hätte eine bargeldlosen Zahlungssystem zweifellos den Vorteil einen sogenannte Bank-Run (Ansturm auf die Bank) zu verhindern. Einen Bank-Run gibt es dann, wenn die Sparer verunsichert sind, etwa weil sie glauben, dass eine Bank kracht, und sie daher versuchen alles Geld abzuheben – mit dem Ergebnis, dass dann die Bank tatsächlich kracht. Mit einer vernünftigen Einlagensicherung sollten die Befürchtungen abgewendet werden können.

Schlussfolgerungen 

  • Die generelle Abschaffung des Bargeldes ist abzulehnen. Gerade Pensionisten und Pensionistinnen nutzen häufig Bargeld wollen Bargeld auch in Zukunft nutzen.
  • Das Bargeld muss beibehalten werden.
  • Jeder Konsument, jede Konsumentin soll entscheiden können wie er oder sie bezahlen möchte. Die Wahlmöglichkeit muss sichergestellt werden.
  • Neuere Zahlungstechnologien, wie etwa das berührungslose Zahlen ( Near Field Communication, NFC) werden sicher das Angebot des bargeldlosen Zahlens attraktiver machen.
  • „Versuche durch Regulierungen den Gebrauch von Bargeld zu beschränken, z.B. durch das Verbot von Bargeldzahlungen größerer Beträge, wie von der OECD betrieben, stoßen vielfach auf Ablehnung. Es gibt somit begründete Meinungen, dass Bargeld auch in Zukunft eine wichtige Zahlungstechnologie darstellen wird.“ (Abele/Schäfer)

*) Hannes Abele, Guido Schäfer: Die Kosten des Bargelds in Österreich, Wien 2015

 

 

 

 

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Eingeordnet unter Ökonomie, Banken, Verbraucherpolitik

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