Pensionsdebatte: Der Unterschied zwischen Statistik und Politik

Am 3.12.2013 hat Erich Neuwirth meinen Artikel „Fünf Irrtümer in der Pensionsdebatte“ kommentiert.

Die Kritik an meinen Ausführungen über die Pensionsdebatte fußt auf einem fundamentalen Missverständnis.

Ich wollte weder die bisherigen Entwicklungen des Pensionssystems fortschreiben, noch eine Prognose wagen. Das überlass ich anderen!
Allerdings bin ich der Meinung, dass Prognosen, die bis ins Jahr 2060 reichen, Humbug sind.

Meine Erläuterungen sollten beispielhaft und deutlich darlegen – und hier wurde ich leider völlig missverstanden – ,dass die beschriebenen Entwicklungen nicht gottgegeben oder demographiebedingt, sondern Folge von gesellschaftspolitischen Entscheidungen sind. Diese bestimmen letztlich die Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstandes.

Lassen Sie mich hierfür ein paar Beispiele zum besseren Verständnis anführen: Wenn es in Zukunft mehr Kinder geben sollte, dann wird man mehr Kindergärten bauen. Wenn die Sicherheit in Mitteleuropa abnimmt, dann wird man vielleicht mehr Geld für die Landesverteidigung ausgeben. Wenn der Anteil an Älteren steigt, dann wird man vielleicht einen größeren Anteil des BIP für die Pensionen bereitstellen.
Hier spielt die Politik die entscheidende Rolle, keine auf dem Reißbrett entworfenen Langzeitprognosen und Statistiken.

In der Vergangenheit haben sich die Produktivitätssteigerungen in den Einkommen nur unzureichend niedergeschlagen. Das ist bekannt, wird kritisiert, aber im öffentlichen Diskurs nicht gerne erwähnt. Zu Unrecht. Denn eine vernünftige, faire Entwicklung der Gehälter und damit auch höhere Beitragseinnahmen, sind eine essentielle Voraussetzung für das nachhaltige Funktionieren des Pensionssystems. Dies ist ein wichtiger Punkt und ich bin Erich Neuwirth dankbar, dass er diesen wesentlichen Aspekt so deutlich hervorgehoben hat.

Abschließend ist es mir wichtig, noch einmal zu unterstreichen: Ja, es müssen – wenn notwendig – Maßnahmen getroffen und gesetzt werden. Aber besonnen, faktenbasiert und lösungsorientiert. Wir brauchen eine sachliche Debatte, in der nicht mit versteckten Ideologien (wie z.B. den Abbau des Sozialstaates) oder unnötiger, falscher Panikmache gearbeitet wird

Harald Glatz

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Eingeordnet unter Ökonomie, Gerechtigkeit, Pensionen

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