Pensionsmythen (4): „Unsere Pensionen sind nicht gesichert“

Es gibt  kaum ein Thema, über das so viel Unfug verbreitet wurde als über die Zukunft der Pensionen.

Ein häufiges Zitat:

„Die Politiker lügen uns an. Unsere Pensionen sind nicht gesichert, wenn wir so weiter machen wie bisher“

Produktivitätswachstum wir glatt übersehen

Die Panikprognosen übersehen die Tatsache, dass in einer Gesellschaft mit Produktivitätswachstum die Verteilung des erwirtschafteten und höheren Sozialprodukts zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen selbst bei veränderten Relationen machbar sein müsste und niemand real draufzahlen muss.

Ein Rechenbeispiel.

Zunahme des realen Bruttoeinkommens bei einer angenommenen Wachstumsrate von 1,5% p.a. (in Euro)

Bruttoeinkommen

Abzüglich Pensionsbeitrag 10,25%

Annahme: Abzüglich Pensionsbeitrag 20%

2010

2640

2370

2050

4789

4299

3831

Einkommenszuwachs

2149

1929

1461

Nehmen wir als Beispiel ein durchschnittliches Vollzeiteinkommen im Jahr 2010 in der Höhe von 2640 Euro im Monat. Davon zahlen der Arbeitnehmer, die Arbeitnehmerin heute 270 Euro Pensionsbeitrag ( 10,25%), bleibt 2370 Euro.

Geht man nun von einem Produktivitätswachstum von 1,5 % ( real) pro Jahr aus , so beträgt das Monatseinkommen in vierzig Jahren (im Jahr 2050) 4789 Euro. Also um 2149 Euro mehr. Davon zahlt er für Pensionen 10,25 % , also 490 Euro. Bleiben ihm 4299 Euro. Immerhin gemessen am heutigen Einkommen eine schöne Zunahme von 1929 Euro real. Die Pensionisten würden dann auch mehr bekommen können, selbst wenn sie mehr als heute sind.

Selbst bei einem absurd hohen und hoffentlich unrealstischen hohen Pensionsbeitrag der Arbeitnehmer auf 20 %, würde einem Arbeitnehmer, einer Arbeitnehmern immer noch 3831 Euro bleiben, über 1461 Euro mehr als heute (2370 Euro) bleiben, und das real, also inflationsbereinigt.

Das heisst die Beschäftigten haben in 40 Jahren in jedem Fall mehr in der Tasche, auch wenn sie einen höheren Pensionsbeitrag zahlen müssten.

Es kann daher keine Rede davon sein, dass wie häufig gesagt wird, die heute Jungen „in Zukunft mit keiner Pension rechnen können“. Das heisst, auch wenn die „Alten“ mehr werden (von 1,48 Mio. (2010) auf 2,64 Mio. (2050), sind die Pensionen nicht gefährdet.

Der herbeigeredete Verteilungskonflikt zwischen „Alt“ und „Jung“ würde nur dann eintreten, wenn es kein Wachstum gibt, in einer wachsenden Ökonomie ist dieser Konflikt entschärft.

Was schiefgehen könnt wäre eine ungleiche Verteilung des BIP. Wenn die Beschäftigten nicht einen gerechten Anteil am BIP bekommen, dann werden sie auch nicht in der Lage sein die finanzielle Last für die Pensionen zu tragen. Es handelt sich daher nicht um einen Generationenkonflikt, es handelt sich um eine verteilungspolitische Frage, im schlimmsten Fall um einen Verteilungskonflikt

Beispiel 2:

BIP/Erwerbsperson und BIP pro Kopf 2010 und 2050. Annahme: Wirtschaftswachstum 1,5 Prozent

2010

2050

BIP (Mrd. Euro)

286

519

Erwerbspersonen

4084399

4235260

BIP/Erwerbspersonen (Euro)

70029

122550

Bevölkerung

8387000

9330904

BIP/pro Kopf (Euro)

34100

55627

Beispiel 3:

Übrigens kommt auch die EU-Kommission in ihrem Aging Report zu Prognosen, die eine Zunahme der durchschnittlichen realen Pensionen von 14.400 Euro pro Jahr auf 22.600 Euro im Jahr 2050  (Geldwert 2007)!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Demographie, Gerechtigkeit, Pensionen, Politik, Verteilung

2 Antworten zu “Pensionsmythen (4): „Unsere Pensionen sind nicht gesichert“

  1. Stellen Sie sich ein Dorf vor.
    In diesem Dorf gibt es viele Alte, die versorgt werden müssen und das Dorf hat hohe Schulden bei eigenen Dorfbewohnern und bei anderen Dörfern.
    Durch den demographischen Wandel gibt es immer mehr ältere Leute, die länger leben (was an sich positiv ist), aber nicht später in Pension gehen. Weiters gibt es sehr viele Verwalter, Kämmerer, Lehrer.
    Der Rest der Bevölkerung sind Handwerker, Bauern, Händler, im Tourismus tätig und auch ein Teil ist für Pflege und Gesundheit zuständig.
    Das Dorf kann meiner Meinung immer nur das verteilen, was Bauern und Händler erwirtschaften, die Handwerker herstellen und Touristen hier an Geld lassen. Es kann auch immer nur mit diesen Waren handel treiben, die produziert/angebaut/erzeugt wurden und was aus dem Tourismus eingenommen wurde.
    Es wird nur jene Güter beim Handel bekommen, die dem Gegenwert der erzeugten Handelswaren und Dienstleistungen entsprechen oder die Volkswirtschaft des Dorfes verschuldet sich weiter (negative Leistungsbilanzen).

    Wie viele Handwerker, Bauern, Händler und Tourismusdienstleister (=Bruttowertschöpfer) muss es prozentuell Ihrer Meinung nach geben und wie hoch muss die Steuer sein, damit dass Dorf in keine Abwärtsspirale hingerät?
    Wie viel Wertsteigerung kann Ihrer Meinung nach durch Neuerfindung von Produkten und durch die Verbesserung der Qualität von Produkten und Dienstleistungen (=Innovationen) erreicht werden?

    P.S.: Wir sind in der Abwärtsspirale schon drinnen, aber zum Glück noch nicht Tief genug. Wenn keine Korrekturen stattfinden, dann geraten wir tiefer hinein.

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