Vermögenssteuer: Mythos Mittelschichtsteuer

Einige Mythen über die Vermögenenssteuern (4)

Der Wahlkampf kommt und das Thema Steuern wird ein Thema sein. Dass in Österreich Arbeit, auch im internationalen Vergleich, zu hoch besteuert ist, hat sich schon bis zur „Presse“ durchgesprochen. Über eine Vermögenssteuer sind jedoch  die vielfältigsten  Mythen im Umlauf. Hier ein Beitrag zur Aufklärung.

Mythos: Mittelschichtsteuer

Die hohe Konzentration von Vermögen in den Händen einiger weniger bedeutet, dass trotz grosszügiger Ausnahmen („Freibeträge“) bedeutende Summen an Aufkommen erreicht werden können. Verfügt doch nur ein Fünftel der Haushalte über ein Nettovermögen von mindestens 330.000 Euro und weniger als 5% der Haushalte über ein Nettovermögen von über einer Million Euro. Noch deutlicher wird dies in Bezug auf Erbschaften. So wurde das Aufkommen der in Österreich bis 2008 wirksamen Erbschaftssteuer zu mehr als der Hälfte von nur 1,3% aller Erbschaften getragen. In zwei Drittel aller Fälle betrug die Erbschaft weniger als 7.300 Euro. (HFCS 2010) Aus demselben Grund – der extremen Ungleichverteilung von Vermögen – können Vermögenssteuern die Mittelschicht kaum treffen. Die Mittelschicht hat nämlich bei Vermögen, im Gegensatz zu Einkommen, nur einen schmalen Anteil des Gesamtvermögens. Bei den Einkommen gehören nach der Definition von Statistik Austria (2011) nicht ganz 80% der Bevölkerung zum mittleren Einkommensbereich, über 10% zum niedrigen und 10% zum hohen. Die mittleren Einkommen erhalten dementsprechend nicht ganz 75% des Gesamteinkommens. Der Anteil von hohen Einkommen am Gesamteinkommen macht etwa das Doppelte ihres Anteils an den Haushalten aus (20%), der Anteil der niedrigen Einkommen etwa die Hälfte (5%). Bei Vermögen ist die Situation allerdings in keiner Weise vergleichbar. Zunächst umfasst die Mittelschicht bei Vermögen nur ein knappes Viertel aller Haushalte, während gute 60% der Haushalte nur geringe Vermögen besitzen. Hohe Vermögen machen über 10% aus. Die Verteilung der Vermögen zwischen diesen Gruppen ist ebenso verzerrt. Die mittlere Vermögensgruppe hat ein gutes Viertel der Vermögen, alle Haushalte mit niedrigen Vermögen besitzen unter 10% des Gesamtvermögens. Die Haushalte mit hohen Vermögen hingegen halten zwei Drittel des Gesamtvermögens. Wie die Mittelschicht definiert wird, ist natürlich nicht unumstritten. Auch die Berechnung der Mittelschicht bei Vermögen ist bis zur vollständigen Veröffentlichung der Daten des HFCS der OeNB nur näherungsweise möglich. Unter anderem muss dabei die Annahme getroffen werden, dass das Nettovermögen innerhalb der Dezile linear verteilt ist. Klar ist dennoch, dass unabhängig von der Berechnungsmethode bei Vermögen ein viel kleinerer Teil der Bevölkerung der Mittelschicht angehört als bei Einkommen. Und dass die Gruppe der Haushalte mit mittleren und niedrigeren Vermögen einen sehr viel kleineren Teil der Gesamtvermögen besitzt. Vermögenssteuern, die die „breite Masse“ belasten, bringen daher in Österreich wenig Ertrag. Vielmehr ist der bei weitem überwiegende Teil des Aufkommens bei hohen Vermögen zu erwarten.

Quelle: Arbeiterkammer

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