Monatsarchiv: März 2013

Vermögenssteuer – über das Elend der Wissenschaft

Vor einiger Zeit tönte es wiederum in den Medien, die Vermögenssteuer sei Unsinn. Was war geschehen. Die Wirtschaftskammer hat das IHS beauftragt darzustellen was eine Vermögenssteuer bringen könnte und was nicht. Eine legitime Fragestellung.

Veröffentlich wird die Studie dann unter erheblichem Mediengetöse. Der Präsident der Wirtschaftskammer spricht und auch , schau schau, der Vizekanzler und ÖVP-Parteiobmann.“Eine neue Analyse vom Institut für höhere Studien (IHS) im Auftrag der Wirtschaftskammer zeigt all jene Gefahren auf, vor denen die ÖVP beharrlich warnt.“ Allerdings, auf der Homepage der WKÖ ist die Studie nicht zu finden. Nicht unter dem Stichwort „Vermögenssteuer“, nicht unter dem Stichwort „IHS“, da findet man Studien über die Eventbranche oder über Versicherungsvermittler. Ist die Studie dem Auftraggeber schon peinlich geworden?

Die Studie ist ein exemplarisches Beispiel wie sich Wissenschaft vorsätzlich oder zumindest grob fahrlässig zu politische Handlanger macht. Und das liegt nicht in der Tatsache einer gemeinsamen Pressekonferenz, es liegt an der Studie selbst.

Drei Beispiele:

  • Es wäre natürlich von grösstem Interesse gewesen wie die aktuellen politischen Vorschläge einer Vermögenssteuer, (z.B die des ÖGB) mit Freigrenzen (1 Mio. Euro , 500.000 Euro) zu bewerten wären. Nix da. Die Studie geht auf konkrete Modelle nicht ein. Sondern, fast ist man geneigt zu sagen „labert“ allgemein über mögliche Auswirkungen , die in den meisten aktuell diskutieren Modellen vermutlich gar nicht eintreten werden.
  • Die Studie beklagt die hohen Erhebungskosten einer Vermögenssteuer, bis zu 20 % des Steueraufkommens nämlich. Hier einen Prozentsatz zu nehmen ist wissenschaftlich nicht ganz sauber. Da das Aufkommen bei der Vermögenssteuer üblicher- und bedauerlicherweise in Relation zu anderen Steuern relativ gering ist, machen natürlich die Erhebungskosten einen grossen Anteil aus. Bei einem höheren Steuersatz wäre dieser Anteil geringer. Die Erhebungskosten würden sich ja bei einer beispielsweise Verdoppelung des Satzes um nix erhöhen müssen.
  • 3. Eine Nebelgranate. Ein weiteres Argument gegen die Vermögenssteuer wird vorgebracht. Keuschnigg, der Autor der Studie und Direktor des IHS, betonte , dass die Vermögensverteilung in Österreich viel weniger in Schieflage sei als oft behauptet. Man müsse nämlich auch die Pensionsansprüche zum Vermögen dazurechnen, und dann sei das Vermögen deutlich gleichmäßiger verteilt als das reine Finanzvermögen. Wenn man das „Pensionskapital“, das heisst alle Anspräche aus zukünftigen Pensionen bei der Betrachtung der Vermögensverteilung miteinbezieht, schaut die Vermögensverteilung nicht mehr so ungleich aus. Das stimmt und zeigt wie gut das System der gesetzlichen Sozialversicherung funktioniert. Das jedoch als Argument gegen eine Vermögenssteuer zu nennen ist Chuzpe. Allein das in den Studien über Vermögensverteilung nicht gemessene Vermögen der ganz Reichen ( sie entziehen sich meist den Befragungen ) würden als Argument für eine Besteuerung im Sinne der Gerechtigkeit reichen. Das zeigt zeigt um was es sich bei dieser Argumentation handelt, um eine Nebelgranate.

 

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Völker, hört die Signale der Eidgenossen!

Der überwältigende Sieg der Abzockinitiative in der Schweizer Volksabstimmung

Völker, hört die Signale der Eidgenossen! | Telepolis.

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Schickt einige Banker ins Gefängnis (3)

Neues aus der Bankenwelt

„The first step is sending some bankers to jail“,so der Nobelpreisträger Josef Stiglitz  über die aktuelle Verfasstheit des Bankensystems.

Aktuell der Schweizer Tagesanzeiger in seinem Blog: „Normalerweise sind wir in unserer Wortwahl ja zurückhaltend. Aber manchmal geht das nicht. Daher: Jamie Dimon ist gegenwärtig der wohl arroganteste Banker der Welt.“

„Der CEO von J.P. Morgan Chase, der mächtigsten Bank der USA, lieferte sich am Mittwoch an einer Telefonkonferenz diesen Schlagabtausch mit Mike Mayo, dem Bank-Analysten des Hongkonger Brokerhauses CLSA und Autor des Buches „Exile on Wall Street“:

Mayo: Die Schweizer Grossbank UBS wirbt in ihren Präsentationen damit, sie sei deutlich solider kapitalisiert als andere Grossbanken und dass vermögende Kunden sich daher bei ihr sicherer fühlen dürfen. Teilen Sie diese Meinung?

Dimon: Sie würden mit Ihrem Geld also lieber zur UBS als zu J.P. Morgan gehen?

Mayo: Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte bloss, das sei die Argumentation der UBS.

Dimon: Sehen Sie, deshalb bin ich reicher als Sie.“

Der Artikel setz sich in der Folge mit den noch immer nicht gelösten Problemen der Finanzmärkte und der „too big to fail“-Problematik auseinander. Hingewiesen wird auf ein aktuelles Buch von Anat Admati und Martin Hellwig “ The Bankers‘ New Clothes“.

Bankmanager haben heute gemäss Admati und Hellwig jeden Anreiz, die Eigenkapitaldecke so dünn wie nur möglich zu halten, weil sie damit die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) maximieren können. Der Grund dafür ist ganz einfach: Ein Grossteil ihrer Bonus-Entlohnung basiert auf dem Erreichen gesetzter RoE-Ziele.

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Tötet die Ökonomen

Nachdenken über das 20. Jahrhundert

Der grosse Abschied von Tony Judt

Tony Judt („Dem Land geht es schlecht“) eine leidenschaftlicher Historiker und Kommentator des politischen Geschehens hat in einem Gespräch mit Timothy Snyder („Bloodlands“) sein Leben und seine politischen Positionen reflektiert. Das Ergebnis das Buch “ Nachdenken über das 20. Jahrhundert“. Dabei kommt auch Wien und Österreich vor, das er sehr gut kannte. Judt starb wenige Tage nach dem Abschluss des Manuskripts.

Hier einige Zitate:

„Regelmäßig wird auch nachgewiesen, dass extrem ungleiche Einkommensverteilung zu bedrohlichen sozialen Ungleichgewichten führt. Es ist also nicht nur für die Wirtschaft oder für die Arbeitgeber gut, es ist auch für eine Abstraktum namens Kapitalismus gut, seine eigene Logik nicht zu weit zu treiben.“

„Geld macht Dinge messbar. Es vernebelt jede Diskussion über den ethischen Wert oder soziale Zwecke dieser Dinge. Es würde uns nützen, „alle Ökonomen zu töten“  (um Shakespeare zu paraphrasieren). Nur sehr wenige tragen zur Summe unserer sozialen und wissenschaftlichen Kenntnisse bei, viele sorgen mit ihren Vorstellungen, worin soziales Denken besteht für Verwirrung. Die bekannten Ausnahmen können wir entschuldigen.“

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Niederösterreichische Impressionen 5

Das Land, das im März wählt

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Foto: Harald Glatz

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Niederösterreichische Impressionen 4

Das Land, das im März wählt

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Foto:Harald Glatz

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Lob der Freundlichkeit

Ein notwendiges Plädoyer von Robert Misik

Lob der Freundlichkeit.

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