Eric Hobsbawn – der letzte romantische Kommunist

Eric Hobsbawn und Tony Judt

Er war einer der einflussreichsten und besten Historiker seiner Zeit. Seine Werke sind mit Genuss zu lesen. Tony Judt nennt ihn in seinem Buch „Das vergessene 20. Jahrhundert, Die Rückkehr des politischen Intellektuellen“ den „letzten romantischen Kommunisten“.

Hobsbawn und Judt waren Freunde. Hobsbawn beschreibt ihr Verhältnis in seinen Erinnerungen anlässlich des Todes von Tony Judt 2012 im „London Review of Books“.

My relations with Tony Judt date back a long time but they were curiously contradictory. We were friends, though not intimate ones, and while both of us were politically committed historians, and both preferred wearing informal gear as historians rather than regimental uniform, we marched to different drummers. Nevertheless our intellectual interests had something in common. (….. ) We got on well in personal terms – but then Tony was easy to like, and generous. He thought very well of my own work and said so in his last book. At the same time he launched one of the most implacable attacks on me in a passage which has become widely quoted, especially by the ultras of the right-wing American press.

Bei aller Sympathie für Hobsbawn, Tony Judt sieht die Rolle Hobsbawns auch kritisch, wie Hobsbawn auch selbst feststellte.

Hier einige Passagen aus dem Buch:

Der Historiker:

Sein Ruhm ist verdient. Er weiss einfach mehr als andere Historiker und kann besser schreiben. Er theoretisiert nicht und verliert sich nicht in narzisstischer Rhetorik wie einige seiner jüngeren britischen Kollegen. Seine Sprache ist meisterhaft klar. Er schreibt lesbare Geschichtswerke für intelligente Leser.


 Über seine Jugend in Deutschland:

Hobsbawm trat als Gymnasiast dem Sozialistischen Schülerbund (einer Unterorganisation der KPD) bei. Hautnah bekam er die selbstmörderische Strategie mit, die Stalin den deutschen Kommunisten auferlegte – sie mussten die Sozialdemokraten bekämpfen, nicht die Nazis.“

England:



“Aufgrund seiner politischen Einstellung verlief Hobsbawms akademische Karriere nach dem Krieg nicht ganz so schnell. Ohne seine KP-Mitgliedschaft wäre er wahrscheinlich schon in jungen Jahren auf renommierte Lehrstühle berufen worden. Mit jedem neuen Buch – von «Sozialrebellen» bis «Die Blütezeit des Kapitals», von «Industrie und Empire» bis «Das imperiale Zeitalter» – wuchs sein Ansehen.“

KP Mitgliedschaft

Hobsbawm war nicht nur Kommunist, er blieb es sechzig Jahre lang. Die Mitgliedschaft in der winzigen KP Grossbritanniens liess er erst ruhen, nachdem das Projekt, für das sie stand, endgültig von der Geschichte begraben worden war.


 
 
Hobsbawm ist entschieden ein Mann der Ordnung, ein «konservativer Kommunist», wie er selbst es nennt. Kommunistische Intellektuelle waren keine «kulturellen Dissidenten», und seine Verachtung für individualistische Linke hat eine lange leninistische Tradition. Wenn die Linke dieses Selbstbewusstsein wiedererlangen will, müssen wir aufhören, uns beruhigende Geschichten über die Vergangenheit zu erzählen. Die Werte und Institutionen, die für die Linke so wichtig waren (Gleichheit vor dem Gesetz, staatliche Dienstleistungen) und die heutzutage auf der Abschussliste stehen, haben nichts mit Kommunismus zu tun. 70 Jahre real existierender Sozialismus haben nichts zu der Summe menschlichen Wohlergehens beigetragen. Nichts.

Vielleicht ist Hobsbawm das klar. Vielleicht gilt auch für ihn, was er über James Klugmann schreibt, den Historiker der britischen KP: «Er wusste, was richtig war, scheute jedoch davor zurück, es öffentlich zu sagen.» „



Harald Glatz

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