Wenn sich Banken über Ungleichheit Sorgen machen

Anmerkungen zur Ungleichheitsdebatte



Eine aktuelle Studie der Schweizer Bank UBS kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Einkommensverteilung in der EU negativ entwickelt. Höchst verwunderlich, dass sich eine der „Zockerbanken“ ( im September hat die Londoner Niederlassung 2,3 Mrd. Dollar mit nichtautorisierten Geschäften verzockt, FAZ 4.8.2012) dieses Themas annimmt. Diese Erkenntnis, dass die Ungleichheit zunimmt ist aber nicht neu ( siehe) . Umso überraschender ist allerdings das öffentliche Interesse, das diese Studie erfahren hat. Dies steht wohl im Zusammenhang mit der Argumentation, dass diese Entwicklung mit dem Euro in Zusammenhang zu setzen sei. Tatsächlich ist die Zunahme der Ungleichheit auch schon vor dem Euro zu beobachten gewesen. Die Ursachen sind tiefer, in einer neoliberalen Wirtschaftspolitik seit Beginn der 80er-Jahre.

Ausgangspunkt der Entwicklung waren die USA. Krugman (The Conscience of a liberal 2009) beschreibt diese Entwicklung sehr plastisch. Die Löhne gingen zurück. Real war das Medianeinkommen eines ganztagsbeschäftigten Mannes trotz Produktivitätswachstum im Jahr 2005 etwas niedriger als im Jahr 1973 (S. 127). Wenn man den Produktivitätsfortschritt berücksichtigt hätte, hätte das Einkommen 35 Prozent höher sein müssen.

Auch die OECD hat in ihrer jüngsten Studie („Divided we stand: Warum die Ungleichheit zunimmt“, 2012) eine Zunahme der Ungleichheiten in den OECD-Staaten konstatiert. Im OECD-Schnitt ist das Durchschnittseinkommen der reichsten 10 Prozent neunmal so hoch wie das der ärmsten 10 Prozent, gegenüber einem Verhältnis von sieben zu eins vor 25 Jahren.

Auch in Österreich ist, etwas verspätet, eine ähnliche Entwicklung zu beobachten – und nicht erst seit der Einführung des Euro.

Die Lohnquote, also der Anteil der Lohneinkommen in Prozent der jährlichen Wertschöpfung ist von 74,5 Prozent im Jahr 1994 auf 61,1 Prozent im Jahr 2007 gesunken, anschließend – im Zuge der Krise – auf 69,9 Prozent kurz gestiegen. Seitdem fällt sie wieder.
Die Produktivität ist zwischen 1994 und 2012 um 24% gestiegen. Die Löhne und Gehälter sind real – also nach Abzug der Inflation – brutto nur etwa 5% höher. Netto ist das Durchschnittseinkommen real sogar niedriger als vor rund 20 Jahren.

Schlussfolgerungen
Problematisch an der aktuellen Diskussion ist die Tatsache, dass sie sich an der Einführung des Euro orientiert und die fundamentalen Aspekte nicht berücksichtigt: Die Schwächung der Arbeitnehmerorganisationen in der Vergangenheit, eine neoliberale Grundstimmung und anderes haben diese Entwicklung hervorgerufen und beschleunigt. Bemerkenswert an der aktuellen Diskussion ist auch, dass über Ungleichheiten in der Vermögenskonzentration nicht gesprochen wird, dass auf die Manager-Gehälter nicht eingegangen wird und dass es auch kaum Zahlen über die Entwicklung der ökonomischen Situation von Pensionistinnen und Pensionisten gibt. Auch über die Tatsache, dass die Steuerpolitik vor allem Lohn und Einkommen belastet und Kapital- und Vermögenssteuern zurückgefahren werden, wird ungern erwähnt.

Harald Glatz

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