Monatsarchiv: August 2012

Der Preis der Ungleichheit

Das neue Buch von Joseph Stiglitz

The Price of Inequality

Joseph Stiglitz ist neben Paul Krugman, DeLong und James Galbraith einer der prominentesten Kritiker der vergangenen aber auch der aktuellen Wirtschaftspolitik der USA und des globalen Wirtschaftssystems. In seinem neuesten Buch beschreibt der die wachsende Ungleichheit in den USA und deren negativen Auswirkungen.

Hatten noch vor dreissig Jahren die Top 1% der US-Einkommensbezieher 12 Prozent des gesamten verfügbaren Einkommens bekommen, so bekommen diese heute 65 Prozent. Und was Stiglitz besonders weh tut: diese Ungleichheit wird weiter vererbt, die Mittelklasse wird ausgehöhlt.

Stattdessen werden in den USA unglaubliche Summen für Gefängnisse ausgegeben

Die Ursachen dieser Entwicklung sieht Stiglitz in der falschen Politik der letzen Jahrzehnte:

  • Die Märkte wurden dereguliert und wurden immer intransparenter, zum Nutzen der Unternehmen und zum Schaden der Konsumenten.
  • Die Manager konnten sich einer immer grösser werdenden Anteil am Kuchen sicherstellen.
  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen entwickelten sich falsch („almost every law has distributive consequences“).Genant wird unter anderem die „Reform“ des Insovenzrechtes, das für Banken keinen Anreiz schuf, um die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer ordentlich zu prüfen.
  • Die weitgehende Zerschlagung der Gewerkschaften. 2010 waren nur mehr11,9 Prozent der Arbeitnehmer in Gewerkschaften organisiert, 1980 waren es noch 20,1 Prozent.
  • Eine Steuerpolitik, die die Reichen bevorzugt: der Grenzsteuersatz wurde von 70 Prozent (unter Carter) auf 28 Prozent unter Reagan herabgesetzt, ging dann unter Clinton auf 39,6 Prozent und sank unter Bush wieder auf 35 Prozent ( Reagan hattte versprochen, dass die Staatseinnahmen steigen werden, gestiegen ist das Defizit).
  • Eine verfehlte Privatisierungspolitik: Enron manipulierte den Californischen Elektrizitätsmarkt und verdiente Millionen. Stromknappheit war die Folge. Sobald wieder stärker reguliert wurde, hörten die Knappheiten auf.

Stiglitz Schlussfolgerungen

A more efficient economy and fairer society will also come from making markets work like markets – more competitive, less exploitive – and tempering their excesses. The rules of the game matter not just for the efficiency of the economic system but also for distribution. The wrong rules lead to a less efficient economy and more divided society“

Harald Glatz

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Philosoph Rudolf Burger: „Hitler ist zum Pornostar geworden“

Rudolf Burger hat sich immer wieder zur politischen Lage geäussert. Er hat die österreichische Aussenpolitik unter Mock im Balkanbürgerkrieg kritisiert („Kriegsgeile Kiebitze“). Er hat davor gewarnt Haider zu dämonisieren. Er hat den radical chic lächerlich gemacht. Er tritt gegen jeglichen Fundamentalismus, insbesondere des Islams, aber auch des Christentums auf. Und er kritisiert die Weise, wie an das Thema Vergangenheitsbewältigung herangegangen wird. Man muss nicht immer seiner Meinung sein, man kann aber auch nicht an ihm vorbei.

In der aktuellen „Zeit“ ein Interview dazu.

Philosoph Rudolf Burger: „Hitler ist zum Pornostar geworden“ | Kultur | ZEIT ONLINE.

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Irgendwo in den USA IV

Irgendwo in den USA IV

Foto: Harald Glatz, Hipstamatik

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Den Österreichaufschlag gibts

Inflation hausgemacht?

Preisvergleiche der AK zeigen, dass das Preisniveau in Österreich tendenziell höher ist, als in Deutschland.

Salzburg Bayern (Herbst 2008) (AK Salzburg) Warenkorb. Salzburg um 20 Prozent teurer

Salzburg Bayern (Frühjahr 2011) (AK Salzburg) Salzburg ist um 10,5 Prozent teurer

Wien München (Lebensmittel) (April 2011) (AK Wien)

Die Preise von 53 identen Lebensmittel wurden erhoben (Bruttopreise). Die Preise sind in Wien um 16,3 % höher als in München. Die hohen Preise treffen fast alle Produkte, nämlich 42 von insgesamt 53.

Wien Berlin (Lebensmittel) (Mai 2011) (AK Wien)

Die Preise von 40 Lebensmittel, (jeweils die preiswertesten Produkte) sind in Wien durchschnittlich um 18,9 Prozent höher als in Berlin. Wobei in Österreich seit Februar 2011 die Preise um 3,5 Prozent gestiegen sind, in Berlin um 5,4 % gefallen sind.

Wien Köln Drogeriewaren (September 2011) (AK Wien)

Es wurden die Preise von 301 Drogeriewaren erhoben und verglichen. Im Gesamtdurchschnitt sind die Bruttopreise (inkl. MwSt) in Wien um 33,4 % teurer als in Köln! Netto sind die Preise in Wien im Schnitt um 32,2 % teurer als in Köln. Einzelne Produkte sind in Wien um 181,8 Prozent (netto 179,5 %) teurer.

Fotoausarbeitung ist in Drogeriemärkten um 76,3 % teurer (brutto), netto um 74,9 %.

VKI (November 2011)

In einer jüngsten Erhebung (November 2011) hat der VKI die Preise von Lebensmittel, Drogeriewaren, Gastronomie, Baumärkte, Elektronik, Möbel, Sportwaren etc. in Österreich und in Deutschland verglichen.

Von den 74 untersuchten Produkten waren nur 4 Produkte in Österreich billiger, bei 9 Produkten waren die Preise gleich, bei 61 Produkten war Deutschland billiger, im Maximalfall um 73 %!

Salzburg Bayern (Herbst 2011) (AK Salzburg) Salzburg ist um 6,2 Prozent teurer

Wien Berlin Lebensmittel (November 2011) (AK Wien)

Verglichen wurde ein Warenkorb mit 40 Lebensmittel (preiswerteste Produkte in Supermärkten und bei Diskontern). Der durchschnittliche Warenkorb ist in Wien um rund 10 Prozent (netto rund 6 Prozent) teurer als in Berlin.

Wien Berlin Lebensmittel (Februar 2012) ( AK Wien)

Verglichen wurde ein Warenkorb mit 40 Lebensmittel (preiswerteste Produkte in Supermärkten und bei Diskontern). Der durchschnittliche Warenkorb ist in Wien um rund 8,9 Prozent (netto rund 5,5 Prozent) teurer als in Berlin.

Wien Köln Drogerieprodukte (April 2012) (AK Wien)

Idente Haushalts- und Pflegeprodukte kosten in Wiener Drogeriemärkten um durchschnittlich 27,5 Prozent mehr als in Köln. Wenn die unterschiedliche Mehrwertsteuer herausgerechnet wird, ist Wien netto noch immer teurer. Bis zu jeweils 100 Produkte wurden bei den Drogeriemärkten Schlecker, Müller und dm in Wien und Köln untersucht.

Salzburg Freilassing Körperpflegemittel, Lebens- und Reinigungsmittel (April 2012) AK-Salzburg

Bei Produkten der Körperpflege zeigt sich, dass Salzburg im Schnitt um 62,55 % teurer ist (51 erhobene Waren). Bemerkenswert: alle 12 Nivea-Artikel sind in Salzburg eklatant teurer: zwischen 63 Prozent und 99 Prozent. Wer die 12 Produkte in Freilassing erwirbt, zahlt Euro 25,22, in Salzburg Euro 45,99. Die 62 Lebensmittel- Markenartikel im Warenkorb sind in Salzburg um 21,5 Prozent teurer. Die 15 erhobenen Reinigungsmittel sind in Salzburg um 41,3 Prozent teurer.

Salzburg Bayern (Mai 2012) (AK Salzburg) Salzburg ist um 4,4 Prozent teurer

60 Prozent der erhobenen Produkte waren in Salzburg im Schnitt teurer als im erhobenen Grenzraum in Bayern. 40 Prozent waren in Salzburg billiger zu bekommen.

Wien München (Lebensmittel) (April 2012) (AK Wien) Bei 47 identen Markenlebensmittel ist Wien um 10,6 % teurer (netto 6,8 %).

Wien Köln (Kfz-Werkstätten) (Juli 2012) (AK Wien) Mechaniker-Stundensätze in Wien um durchschnittlich 26,1 % teurer als in Köln, Spengler um durchschnittlich 20,6%.

  • Linz Passau (Drogeriewaren)(August 2012)(AK Oberösterreich) Ergebnis: Markenprodukte mit gleicher Größe und gleichem Inhalt sind in Linz um bis zu 137 Prozent teurer als in Passau. Der Vergleich bei DM ergab, dass von 70 Angeboten 10 Produkte in Linz günstiger, jedoch 60 Artikel teurer waren als in Passau.Beim Vergleich bei Müller waren in Linz von 79 Produkten 15 Angebote günstiger, aber 64 Artikel teurer als in Passau.

     

     

 

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Privatisierungen lohnen sich nicht

 

 

Der Rechnungshof hat die Privatisierung des Dorotheums im Jahr 2001 unter dem damaligen Finanzminister Grasser scharf kritisiert. Es wurde schlecht verkauft. Der Verkaufserlös lag „um rund 10 bis 20 Mio. Euro unter der Verkaufspreisempfehlung seitens der Investmentbank“. Dass die begleitende Investmentbank noch hohe Kosten ( „kostenintensiv“ so der Rechnungshof) zusätzlich verursacht, ist noch eine Randerscheinung dazu.

Aber die Probleme der Privatisierung sind weniger die einmaligen Fehler beim Verkauf von Staatsvermögen, sie liegen in den langfristigen Auswirkungen von Privatisierungen wie eine AK-Studie darstellt.

Diese Studie überprüft mit Hilfe neuer Methoden die weit verbreitete Annahme, wonach Privatisierungen eine finanzielle Verbesserung der öffentlichen Haushaltslage bewirken. Im ersten Schritt wird gezeigt, dass lediglich eine kurzfristige Verbesserung der Liquiditätssituation gewiss ist, während die mittel- und langfristigen Auswirkungen auf die Vermögensposition und das laufende Defizit von spezifischen Bedingungen abhängt. Ob es insgesamt tatsächlich zu einer Verbesserung kommt, ist deshalb Fall für Fall zu überprüfen.Im auf österreichische Fallbeispiele beschränkten empirischen Teil werden die jeweils letzten Verkäufe öffentlicher Anteile an der OMV, der Telekom Austria sowie der Post untersucht. Je nach Berechnungsmethode ergibt sich ein kumulierter Verlust von 1,25 bis 1,78 Mrd. Euro, da insbesondere bei der OMV in den Folgejahren der Ertragsentgang den Zinsvorteil durch einen niedrigeren Schuldenstand deutlich übertroffen hat. Anschließend erfolgt eine Schätzung der finanziellen Auswirkung

Für die Berechnung der Auswirkungen dieser Teilprivatisierungen auf die Staatsfinanzen wird unterstellt, dass die Erlöse jeweils zu 100 % für eine Reduktion der Staatsschulden eingesetzt wurden.

Bisherige Privatisierungen

Anhand von vergangenen Privatisierungen zeigt sich, dass die Privatisierungen kein gutes Geschäft für den Staat waren.

Beispiel ÖMV (1996)(von 1996 bis 2010):

Entgangener Überschuss -1667,4 Mio.Euro

Entgangene Dividende – 393 Mio. Euro

Zinsersparnisse 250 Mio.Euro

Insgesamt ein Minus von 1416 Mio. Euro

Ähnliches für Post (1996) , bei Telekom (2006) etwa die Waage gehalten.

Bei der Telekom ist anzumerken, dass die Dividendenausschüttungen zT über den Jahresüberschüssen gelegen sind, sprich die Unternehmenssubstanz verringert wurde – zu Lasten zukünftiger Gewinne. Das Finanzierungsergebnis (entgangene Dividenden abzüglich Zinsersparnis) weist in diesem Fall daher höhere Verluste aus als das hier dargestellte Ergebnis in der Logik der Ertragsrechnung“

Die Teilprivatisierungen von ÖMV, Post, Telekom ergabt zusammen ein Minus von 1783,5 Mio. Euro!überschuss entgangener Überschuss

Auswirkungen von geforZins-

Auswirkungen von geforderten Privatisierungen

Unter der Annahme, dass ÖMV, Telekom, Post, EVN, Verbund, Flughafen auf 25 % Staatsanteil reduziert würde kommt die AK auf folgende Ergebnisse:

Entfallender Jahresüberschuss – 412 Mio.Euro pro Jahr

Zinsersparnis 128 Mio. pro Jahr

Insgesamt ein Minus 284 Mio. Euro pro Jahr.

Wenn ähnliches bei den Landesenergieversorgungsunternehmen gemacht wird ergäbe sich auch ein Minus von 65 bis 165 Mio. Euro pro Jahr.

Insgesamt würde ein solches Privatisierungsprojekt einen Verlust von 350 bis 450 Mio. Euro pro Jahr für den Staat ausmachen.

Harald Glatz

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Sind die Ratingagenturen am Ende?


Über die Meinungsfreiheit

“The story of the credit-rating agencies is the story of a colossal failure” , so der US-Abgeordnete Henry A.Waxman.

Die Ratingagenturen stehen schon seit einiger Zeit unter Beobachtung. Nicht zuletzt die „Irrtümer“ bei der Bewertung von Subprimeprodukten und die Auswirkungen der Ratings der europäischen Staaten hat dazu geführt.

Immer deutlicher werden auch die Hinweise, dass es sich bei Ratings um self-fulfilling prophecies handelt. Also vereinfacht gesagt, wenn ein Staat oder ein unternehmen schlecht bewertet wird, dann verschlechtern sich ihre Kreditkonditionen und damit ihre ökonomische Lage. Die Universität St.Gallen hat dies unlängst untersucht und festgestellt.

Bisher konnten sich die Agenturen gegen Schadenersatzforderungen freispielen und zwar mit dem Argument, dass das was sie tun unter freie Meinungsäusserung fällt. Und die ist in den USA durch den ersten Zusatzartikel zur Verfassung besonders geschützt. Die meisten Gerichtsverfahren sind bisher zu diesem Schluss gekommen. Nun gibt es aber ein New Yorker Gericht, das anderer Meinung ist. Zur juristischen Argumentation bietet ein Artikel von Theresa Nagy im Minnesonta Law Reviev einen guten Überblick.

Eines ist sicher, die Ratingagenturen werden Heerscharen von Anwälten ins Feld schicken um diesen Fall nicht zu verlieren. Wenn sie allerdings verlieren, ist jedoch ihr Geschäftsmodell ziemlich gefährdet.

Harald Glatz 

 

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Die faulen Griechen

Über Vorurteile

Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig“, so zitiert der Tagesspiegel die deutsche Bundeskanzlerin (19.5.2011). Ein aktueller Vergleich der Arbeitszeit in den Staaten der EU zeigt, dass die Sache nicht so einfach ist.

Arbeitnehmer in Deutschland haben 40 Tage im Jahr frei ( Urlaub, Feiertage), in Griechenland 33. Die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions analysiert die wöchentlichen und jährlichen Arbeitszeiten der EU Mitgliedsstaaten.

Das Ergebnis: am wenigsten arbeiten die Franzosen (1580 Stunden pro Jahr) vor den Dänen und Deutschland (1658 Studen). Dann kommt Italien, Schweden, Finland, UK, die Niederlande, mit einigem Abstand Österreich (1746 Stunden pro Jahr). Die Griechen arbeiten 1816 Stunden im Jahr, die meisten neuen Mitgliedstaaten noch mehr.

Hauptursache für geringeren Arbeitsstunden sind die längeren Urlaube und mehr Feiertage.

Zu einem ähnlichen Ranking, wenn auch mit anderen Zahlen kommt die OECD. Ohne jetzt grössere theoretische Überlegungen anzustellen zeigten die Zahlen doch klar, dass weniger entwickeltere Staaten mehr arbeiten und und in Staaten mit höherer Produktivität diese Produktivitätsfortschritte (teilweise) in Zeit gutgeschrieben werden.

Harald Glatz

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