Monatsarchiv: Juli 2012

Schickt einige Banker ins Gefängnis (1)

The first step is sending some bankers to jail“,

so der Nobelpreisträger Josef Stiglitz über die aktuelle Verfasstheit des Bankensystems. Und irgendwie wird die Wut und der Zorn über ein Subsystem der Wirtschaft, das ausser Rand und Band geraten ist verständlich. Selbst die sonst eher zurückhaltende deutsche Wochenzeitschrift „Die Zeit“ spricht Klartext: „ Bei Banken und ihren Aufsichtsbehörden ist die geistige und finanzielle Korruption systematisch“.

Die Liste der Skandale wird von Tag zu Tag länger.

Die Lehmann-Pleite und die Rettung der AIGdurch den Staat ist fast schon Geschichte.

J.P.Morgan: mit Spekulationsgeschäften 5,8 Mrd. Dollar (FAZ 4.8.2012) verspielt (vermutlich bis zu 9 Mrd). Der präpotent auftretende Chef Jamie Dimon stand an vorderster Front, wenn es darum ging Regulierungen des Finanzsektors abzuwenden.

Aktuell der Schweizer Tagesanzeiger in seinem Blog: „Normalerweise sind wir in unserer Wortwahl ja zurückhaltend. Aber manchmal geht das nicht. Daher: Jamie Dimon ist gegenwärtig der wohl arroganteste Banker der Welt.“

„Der CEO von J.P. Morgan Chase, der mächtigsten Bank der USA, lieferte sich am Mittwoch an einer Telefonkonferenz diesen Schlagabtausch mit Mike Mayo, dem Bank-Analysten des Hongkonger Brokerhauses CLSA und Autor des Buches „Exile on Wall Street“:

Mayo: Die Schweizer Grossbank UBS wirbt in ihren Präsentationen damit, sie sei deutlich solider kapitalisiert als andere Grossbanken und dass vermögende Kunden sich daher bei ihr sicherer fühlen dürfen. Teilen Sie diese Meinung?

Dimon: Sie würden mit Ihrem Geld also lieber zur UBS als zu J.P. Morgan gehen?

Mayo: Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte bloss, das sei die Argumentation der UBS.

Dimon: Sehen Sie, deshalb bin ich reicher als Sie.“

Der Artikel setz sich in der Folge mit den noch immer nicht gelösten Problemen der Finanzmärkte und der „too big to fail“-Problematik auseinander. Hingewiesen wird auf ein aktuelles Buch von Anat Admati und Martin Hellwig “ The Bankers‘ New Clothes“.

Bankmanager haben heute gemäss Admati und Hellwig jeden Anreiz, die Eigenkapitaldecke so dünn wie nur möglich zu halten, weil sie damit die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) maximieren können. Der Grund dafür ist ganz einfach: Ein Grossteil ihrer Bonus-Entlohnung basiert auf dem Erreichen gesetzter RoE-Ziele.

Aktuell der Schweizer Tagesanzeiger in seinem Blog: „Normalerweise sind wir in unserer Wortwahl ja zurückhaltend. Aber manchmal geht das nicht. Daher: Jamie Dimon ist gegenwärtig der wohl arroganteste Banker der Welt.“

„Der CEO von J.P. Morgan Chase, der mächtigsten Bank der USA, lieferte sich am Mittwoch an einer Telefonkonferenz diesen Schlagabtausch mit Mike Mayo, dem Bank-Analysten des Hongkonger Brokerhauses CLSA und Autor des Buches „Exile on Wall Street“:

Mayo: Die Schweizer Grossbank UBS wirbt in ihren Präsentationen damit, sie sei deutlich solider kapitalisiert als andere Grossbanken und dass vermögende Kunden sich daher bei ihr sicherer fühlen dürfen. Teilen Sie diese Meinung?

Dimon: Sie würden mit Ihrem Geld also lieber zur UBS als zu J.P. Morgan gehen?

Mayo: Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte bloss, das sei die Argumentation der UBS.

Dimon: Sehen Sie, deshalb bin ich reicher als Sie.“

Der Artikel setz sich in der Folge mit den noch immer nicht gelösten Problemen der Finanzmärkte und der „too big to fail“-Problematik auseinander. Hingewiesen wird auf ein aktuelles Buch von Anat Admati und Martin Hellwig “ The Bankers‘ New Clothes“.

Bankmanager haben heute gemäss Admati und Hellwig jeden Anreiz, die Eigenkapitaldecke so dünn wie nur möglich zu halten, weil sie damit die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) maximieren können. Der Grund dafür ist ganz einfach: Ein Grossteil ihrer Bonus-Entlohnung basiert auf dem Erreichen gesetzter RoE-Ziele.

Im Oktober 2013 war es dann so weit. Für irreführende Praktiken musste J.P. Morgan in einem Vergleich mit dem Justizministerium 13 Mrd. Dollar in den USA zahlen. Neun Mrd. Dollar als Strafe, 4 Mrd. Dollar für Hilfsprogramme für notleidende Hausbesitzer.  So hat sich J.P. Morgan einen Prozess erspart.

Goldman Sachs ist überall dabei. Sie sind besonders geschickt in politischen Vernetzungen. Ehemalige Mitarbeiter kamen immer in einflussreiche politische Positionen. Robert Rubin war Finanzminister unter Clinton (zur Zeit als der Glass-Steagall Act, der die Bankenregulierung aufweichte, beschlossen wurde), Henry Paulson war unter Bush Finanzminister, Mario Monti war Berater von Goldman Sachs. Geithner ( jetzt Finanzminister der Obama Administration) war zwar nie bei Goldman Sachs, diente aber unter Finanzminister Rubin. Mario Draghi, EZB Chef kam auch von Goldman Sachs. Erich Streissler hat darauf hingewiesen (ab Minute 4:00).

Goldman Sachs ist ein Musterbeispiel für das Prinzip „Gier“ und die Verachtung der Kunden.Over the last 12 months I have seen five different managing directors refer to their own clients as “muppets,” sometimes over internal e-mail“, so der ehemalige Mitarbeiter Greg Smith in der NYT („Why I Am Leaving Goldman Sachs“).

Und sie haben der Griechischen Regierung geholfen das Butget zu schönen. Die Konsequenzen kennen wir.

Societe Generale hat 2008 durch Spekulationen 7 Mrd. Dollar verzockt.

MF Global hat mit Kundengeldern spekuliert. CEO Corzine war bis 1999 bei Goldman Sachs. 

Peregrine Financial Group, hat Kundengelder un Millionenhöhe zur Spekulation verwendet.

UBS hat 2,3 Mrd. Dollar mit nicht autorisierten Geschäften verzockt (FAZ 4.8.2012). Die UBS einigte sich 2011 mit der FHFA (Federal Housing Finance Angency) in einem Verlgeich auf 900 Millionen Dollar. 

Royal Bank of Scotland (RBS): musset 2008 mit 45 Mrd. Pfund gerettet werden.

Barclays, RBS, Lloyds, HSCB, alle gewaltige Rückstellungen (8 Mrd. Pfund, FAZ 4.8. 2012) wegen falsch beratener Kunden.

Barklays Bank ist jüngst bekannt geworden mit den Fälschungen des Libor („Liborgate“). Wobei Barklays nicht die erste Bank war, die diese Spielchen betrieb. Bob Diamond, der frühere Chef trat zurück (im Frühjahr 2012 hat er noch auf sein Jahressalär von mehr als 20 Millionen Pfund beharrt (FAZ 4.8.2012). Die Aufsichtsbehörden ermitteln gegen „mindestens 18 Grossbanken wie Deutsche Bank, Citigroup, HSBC, J.P.Morgan oder UBS“.

Und in Österreich ?

Die meisten Banken haben sich mittlerweile um Staatsgelder angestellt. Das Bankenpaket macht in Österreich laut AK inklusive Haftungen 21,4 Mrd. Euro aus. Das sind 7,1 % des BIP. 3,9 Mrd. Euro sind bereits verloren. (am prominentesten an die Haider Bank Hypo Alpe Adria).

Die Massnahmen des Bankenpakets haben die Staatsverschuldungen bis zum Juni 2012 um 9,2 Mrd. Euro, das sind 3 % des BIP, erhöht.

Die Aktionäre und Eigentümer lachen sich einen, sie profitieren von den Kursgewinnen. Die AK rechnet vor: die Steigerung des Marktwertes der Ersten beträgt im ersten halben Jahr nach der Kapitalspritze durch den Staat 6,9 Mrd. Euro !

Und dafür muss sich die Politik beschimpfen lassen „ Unsere Politiker sind zu blöd und zu feig“, so der Generaldirektor Treichl. Aber die Aufsichtsratsgagen sind 2011 auf 700 000 Euro ( 18 Mitglieder) verdoppelt  worden und die Vorstandsgagen betrugen 2009 812.000 Euro pro Kopf, 2011 1.124.000 Euro.

Was tun ?

Am wichtigsten und grundsätzlichsten: die Politik muss sich wieder zurückmelden und selbstbewusster auftreten. Next, politicians need to stop spending so much time listening to the financial lobby“, so Stiglitz.

Nicht ganz so radikal, aber doch bemerkenswert hat sich der isländische Präsident Grimsson zum Finanzsektor geäussert. (Dazu ein Bericht in Telepolis)

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos meint der Staatspräsident, dass Banken nicht anders behandelt werden sollen als Airlines oder Telekommunikationsternehmungen, das heisst man soll sie auch in die Insolvenz schicken können.

Ausserdem stellt er fest, dass, seitdem der Bankensektor in Island eine geringere Rolle spielt, der Technologiesektor blüht.Der Branche geht es besser,  weil die Fachleute, die der Finanzsektor bisher abgezogen hat  wieder produktiv(er) zum Einsatz kommen

Eine umfassende und mutige Reregulierung des Sektors ist notwendig.

Vieles ist nur international machbar, einiges geht auch in Österreich.

Besseres Einlagensicherungssystem, endlich ein Bankeninsolvenzrecht das den Namen verdient, keine steuerliche Bevorzugung von Boni – Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit, Aufbrechen des selbstreferentiellen Kreises von Aufsichtsräten und Geschäftsführung. Mal sehen, ob es dafür in Österreich eine politische Mehrheit gibt….

Harald Glatz

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