Monatsarchiv: Mai 2012

Wahnsinn: Brilliantenkopf als Grasser

Brilliante Köpfe

Grasser von Udo Fon

KHG ist medien- und gerichtsnotorisch. Ein brillianter Politiker, zumindest was PR betrifft, weniger was die politische Performance betrifft. Das „Nulldefizit“ war eine meisterliche PR-Leistung, zumindest gemessen an den tatsächlichen Gegebenheiten. Wie man weiss, besteht eine Budget aus Einnahmen und Ausgaben. Man kann die Ausgaben reduzieren um ein Defizit zu reduzieren, man kann aber auch die Einnahmen erhöhen. Grasser hat vor allem letzeres getan. Sein Nulldefizit ( 2001) wurde ermöglicht durch eine hohe Steuern- und Abgabenquote, mit 45,6 Prozent Anteil am BIP die höchste in der zweiten Republik ( Siehe „Ein PR-Gag namens Nulldefizit“ in der „Presse“). Dazu kamen noch die Verkäufe von Bundesvermögens, also einer eine Verschleuderung des Vermögens aller Österreicherinnen und Österreicher. Höhere Steuereinnahmen hätten auch in der heutigen Situation Sinn gemacht, z.B Vermögenssteuern oder Erbschaftssteuern. Darüber traut sich die Regierung ( die ÖVP) nicht drüber. Dank  Grassers PR-Gag haben sie es damals geschluckt.  Folgerichtig hat nun Udo Fon Grassers Kopf , nein nicht mit Brillianten, das wäre nicht adäquat, sondern mit Swarovsky Steinen modelliert.

Foto: Harald Glatz

Die Vorläufer (nicht immer stringente Assoziationen)

Spiritus Callidus von John Lekay

1993 hat der Brite John Lekay seinen Spiritus Callidus #1 und #2. geschaffen. Vorbild waren Köpfe der Maya, verwendet hat auch er Swarovski Kristalle. Seine Köpfe sind in ihrer Archaik befremdlich, beängstigend, irritierend.

Foto: Wikimedia Commons

For the Love of God von Damien Hirst

Damien Hirst hat 2007 Furore gemacht mit eine Totenschädel aus Platin, belegt mit 8601 Diamanten. Furore vor allem wegen des Preises: offered it for sale for 50 million pounds . Künstlerisch ist der scull eher weniger beeindruckend . Da ich kein copyrightfreies Bild zum scull gefunden habe ( zum Urheberrecht demnächst was auf diesem Blog), hier ein Bronzekopf , vermutlich aus Benin.

Foto: Harald Glatz

Die Köpfe von Tiwanaku

Tiwanaku war eine religiöses Zentrum in Nordbolivien. Die Aymaras haben dort, in der Prä-Inka-Zeit eine Kultur entwickelt, über die man wenig weiss. Die Kultur ist aus bisher ungeklärten Gründen um 1000 n.Chr. untergegangen. In den Ruinenstätten finden sich in den Wänden Steinköpfe, deren Bedeutung noch nicht geklärt ist. Eine der Erklärungen ist: es handelt sich um Fürsten der Nachbarstämme, die getötet wurden und deren Köpfe man in Stein geschlagen und in die Wände eingearbeitet hat. Wie auch immer.

Foto: Harald Glatz

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Irgendwo in den USA III

Irgendwo in den USA III

Foto: Harald Glatz, iPhone, Hipstamatic

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Tiwanaku im April

Tiwanaku im April

Foto: Harald Glatz, iPhone, Hipstamatic

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Die Krise der Ökonomen – für eine Erneuerung der Ökonomie

Die Krise  der Ökonomen, für eine Erneuerung der Ökonomie

Warum die Ökonomen (mehrheitlich immer noch eine Männergesellschaft) die Finanzkrise nicht vorhersagen konnten hat schon die Queen beschäftigt:

During a briefing by academics at the London School of Economics on the turmoil on the international markets the Queen asked: “Why did nobody notice it?”   Prof Garicano replied: “At every stage, someone was relying on somebody else and everyone thought they were doing the right thing.” The Queen described it as “awful”.

Im Anschluss daran haben sich zehn Ökonominnen und Ökonomen sich dazu geäussert.

„So where was the problem? Everyone seemed to be doing their own job properly on its own 

merit. And according to standard measures of success, they were often doing it well. The failure

was to see how collectively this added up to a series of interconnected imbalances over which

no single authority had jurisdiction. This, combined with the psychology of herding and the

mantra of financial and policy gurus, lead to a dangerous recipe. Individual risks may rightly

have been viewed as small, but the risk to the system as a whole was vast.“

Dass die etablierte Wirtschaftswissenschaft versagt hat ist unbestritten. Das Scheitern ist vor allem machtpolitisch verursacht. Die Mächtigen deer Welt, Reagen und Thatcher voran, aber auch Clinton, Blair und Schröder nicht auszunehmen ( wenn auch etwas gemildert) wollten nur bestimmte Aussagen hören. Und die mächtigen Think Tanks wollten, dass die Politik nur Bestimmtes zu hören bekommt. ( siehe auch Robert Misik).  Am Rande bemerkt: die hochgelobten (mit Nobelpreise bedachen) Modellbauer Robert Merton und Myron Scholes haben  versucht ihre ökonometrisches Modell auch in die Praxis umzusetzen und waren Partner bei der Firma Long-Term Capital Management. 1998 ging LTMC pleite. …

Und dann gabs noch die schweigende Masse der Professoren und Dozenten, die selbstverliebt und verliebt in ihre  Modelle mit ihrer Situation ganz zufrieden waren und an ihren Karrieren bastelten.

Es gab sie aber auch, diejenigen, die nicht mainstream waren, und es waren gar nicht so wenige, wie Gunther Tichy aktuell aufgelistet hat (Gunther Tichy, Could we have forseen the financial crisis ?, in: Erich Streissler, Gunther Tichy, How to Forecast Economic Developments During and After Crises, Wien 2012). Es gab Hyman Minsky, es gab Benoit Mandelbrot. Es gab und gibt Krugman und Stieglitz, mittlerweile durch Nobelpreise geadelt, Robert Shiller. In Deutschland Hickel, Horn, Armin Falk. Sebastian Dullien, Peter Bofinger, um nur einige zu nennen.Es gab und gibt in Österreich Rothschild, Tichy, Streissler,der international renomierte Ernst Fehr, Brigitte Unger, Stockhammer, Peter Rosner, es gab die Ökonomen und Ökonominnen in der Arbeiterkammer, im Wifo, in der Nationalbank, im Beigewum, im Kautskykreis (man möge mir verzeihen, wenn ich nicht alle nennen kann).

Jetzt formieren sich zunehmend Ökonomen, die mit der Entwicklung ihrer Profession nicht zufrieden  sind. Sie und treten für eine neue Wirtschaftswissenschaft ein.  Beispielsweise die Unterzeichner der Erklärung “ „Für eine Erneuerung der Ökonomie“.

Und das ist gut so, denn die Felderers scheinen  langsam wieder Oberhand zu gewinnen, als hätte es die Finanz-und Wirtschaftskrise nie gegeben.

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Blow-Up – Eine Gedenkminute

Im Mai 1967, bei den Filmfestspielen in Cannes hat „Blow-Up“ von Michelangelo Antonioni die Goldene Palme gewonnen.

Eine der  Schlüsselszenen wurde im Maryon Park bei Greenwich gedreht. 

Foto: Harald Glatz

Bemerkenswert der Auftritt der Yardbirds mit Jeff Beck und Jimmy Page im Film.

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Gerhard Richter, Berlin Mai 2012

Gerhard Richter, Berlin, Mai 2012

Foto: Harald Glatz

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Direkte Demokratie: ein Instrument zur Privilegiensicherung?

Direkte Demokratie: Ausweg aus der Politikkrise oder Privilegiensicherung?

Die Parteien sind in einer Krise. Der Parlamentarismus ist in einer Krise. Die Politik ist in einer Krise. Die Wurtbürger stehen vor der Tür. Was Tun?

Abgesehen davon, dass das Krisengerede etwas übertrieben erscheint, sind die Antworten der Politik und der Politiker  darauf eher mager. Meist beschränken sie sich auf Vorschläge, die direkte Demokratie auszubauen, vor allem   ÖVP und FPÖ sind hier aktiv. Das passt auch zur  Tendenz der politischen Eliten sich selbst zu demontieren, sich offenbar als zunehmend überflüssig  zu erachten und sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Zweifellos erhöhen partizipatorische Elemente die Legitimität des  politischen Systems. Als solche sollen sie und müssen sie auch eine Rolle spielen. Der politische Wert darüber hinaus wäre zu analysieren.. Bei der Betrachtung der Zweckmässigkeit darf   nicht nur von der Inputseite ( Wert von Partizipation an sich) ausgegangen werden, es  muss auch auf den Output, auf die gesellschaftlichen Wirkungen  geschaut werden. Inwieweit sind bestimmte demokratischen Mechanismen in der Lage Probleme zu lösen, inwieweit ergeben sich vernünftige Lösungen oder das Gegenteil; was sind die Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhang, auf die Verteilung, wer gewinnt und wer verliert?

„Sozioökonomische Ungleichheit wird aber dann zum Demokratieproblem, wenn sie die politische Gleichheit beschädigt. Das ist der Fall, wenn gezeigt werden kann, dass die unteren Schichten infolge von mangelnden wirtschaftlichen und kognitiven Ressourcen zunehmend aus der politischen Partizipation herausfallen, ihre kollektiven Vertretungsorgane wie Gewerkschaften und Sozialverbände on Organisationsmacht und Einfluss verlieren.“ (Wolfgang Merkel)

Wolfgang Merkel, vom Wissenschaftszentrum Berlin, hat sich genauer  die Probleme angeschaut ( Volksabstimmungen:Illusion und Realität und Entmachten Volksentschiede das Volk?). Er sieht einen Widerspruch zwischen demokratiepolitischen Anspruch und den Ergebnissen direkter Demokratie, und zwar in vier Punkten.

1.  Soziale Selektion.

Volksabstimmungen haben eine soziale Schieflage, mehr als Wahlen. Es gehen die oberen Schichten hin. Das unter Drittel bleibt zuhause. Ein Problem, das  die USA bei Wahlen auch haben.

2. Es können vor allem die Kompetenten teilnehmen

Direkte Demokratie erfordert eine intensivere Auseinandersetzung mit Sachmaterien. Das erfordert Zeit und Bildung,beides ist ungleich verteilt.

3. Die Fähigkeit und die Ressourcen für Kampagnen ist unerschiedlich verteilt

Grösser angelegte Abstimmungen oder Volksbegehren erfordern auch finanzielle Ressourcen, politische Unterstützungen, Netzwerke und ähnliches. Wirtschaftslobbys sind da gerne bereit enzuspringen um ihre eigenen Interessen zu wahren.

4. Ergebniskonservativismus

Die Schweiz und Kaliforniern zeigen, dass sich bei Abstimmungen konservative , neoliberaleInteressen druchsetzen . Die Reichen sind für niedrige Steuern, die Armen brauchen aber die Unterstützunge des Staates bei Pensionen, Gesundheit, Bildung etc. Von den  Neoklassikern wird dieses Ergebnis von direkter Demokratie natürlich immer positiv hervorgehoben.

Diese Argumente relativieren  die Instrumente der direkten Demokratie.

Instrumente der direkten Demokratie haben aber auch  ihren Platz.

– Volksbegehren können Probleme thematisieren, die von der Politik  – oft aufgrund von Pattsituationen – nicht oder unzureichend  aufgegriffen werden ( siehe Volksbegehren Steuergerechtigkeit oder Bildungsvolksgegehren).

– Volksabstimmungen können Pattsituationen auflösen, beispielsweise die Hauptbahnhofdebatte in Stuttgart.

–  Grundsätzliche Verfasssungsänderungen ( zB. EU Beitritt) sind ohne Volksabstimmungen politisch nicht zu bewältigen ( und demgemäss auch verfassungsrechtlich vorgesehen).

– Auf lokaler Ebene wird direkte Demokratie in vielen Fällen sinnvoll sein .

Schlussfolgerung:  der Hype über das  Instrument erscheint  nicht gerechtfertigt. Man muss schauen welche Auswirkungen es haben kann. Eine „zusätzliche Arena der Privilegierten“ brauche wir nicht.

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