Warum Keynes so aktuell ist

Keynes lesen, heisst es allerorts. Jüngst haben wir 75 Jahre  „General Theory“, das Hauptwerk von Keynes gefeiert. Weniger bekannt, aber umso aktueller ist das Büchlein, das Keynes 1919 verööfentlich hat „Economic consequences of the Peace“, in der deutsche Ausgabe hate es den Titel „ Krieg und Frieden. Die wirtschaftlichen Folgen des Vertrags von Versailles“ .

Was hat Versailles mit der heutigen Situation zu tun ? Und wieso ist das Buch so aktuell.?
Liest man das Buch , so findet man erstaunliche Parallelen zur Euro-Griechenland-Debatte. In Versailles wurden das Nachkriegseuropa neu geregelt  und es ging um die Reparationszahlungen, die Deutschland zu zahlen hat. Die USA, England und Frankreich, die Sieger des ersten Weltkriegs forderten von Deutschland und Österreich Reparationszahlungen, also Entschädigungen, die für die Schäden des Krieges. Ein üblicher Vorgang nach Kriegen, dass die Sieger vom Besiegten was verlangen. Die Siegermächte hatten aber maßlos übertrieben und verlangten von ‚Deutschland Zahlungen, die , so die Meinung von Keynes, von Deutschland und Österreich nicht zu schaffen sind. Keynes zog die persönlichen Konsequenzen und verließ die Verhandlungen (er war in der Delegation des britischen Schatzamtes ).
Was hat das mit mit dem Euro, mit Griechenland zu tun? Sicherlich wollen die europäischen Regierungen Griechenland nicht „ abstrafen“ ,so wie die Siegermächte seinerzeit Deutschland und Österreich. Aber was wir daraus lernen können ist: fehlende Analyse und Einsicht in die Zusammenhänge rufen ungewollte Konsequenzen hervor. Damals der ökonomische Untergang Deutschlands und Österreichs mit den katastrophalen Konsequenzen des Nationalsozialismus . Heute reitet man Griechenland in eine ausweglose Situation hinein aus der sie es sich – auch zum schaden der anderen europäischen Staaten – auf absehbare Zeit kaum mehr befreien kann. 1918 war es die Unterhauswahl, die den britischen Premierminister Lloyd George, in den selbstprovozierten Strudel eines Populismus gegen Deutschland hinein zog. 2010 war es die Regionalwahl in Nordrhein-Westfalen, die Bundeskanzlerin Merkel zu gewinnen glaubte, wenn sie als eiserne Lady auftritt und der Stimmung gegen eine rasche ( und damit effektive ) Hilfe für Griechenland  widersetzt. Europa hat, unter der Führung Deutschlands die Situation durch eine zögerliche, kurzsichtige Politik vermasselt. „ Vielleicht ist es eine geschichtliche Wahrheit, dass keine Gesellschaftsklasse jemals anders als durch eigen Hand umkommt.“ meint Keynes. Hoffen wir , dass das für Europa nicht auch zutrifft.

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